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Sonntag, 4. Oktober 2015

Alles wieder beim Alten?

Es kam wie es kommen musste: Der Hamburger Sport-Verein hat in Berlin eine gehörige 0:3-Packung bekommen und dabei laut eigenen Aussagen die "Nerven verloren". Ne Freunde, irgendwann ist es dann auch gut gewesen: Man sollte nicht auch noch im dritten Anlauf hintereinander versuchen, unterirdische Leistungen mit angeblichen psychischen Defiziten zu erklären. Was wir gestern gesehen haben, erinnert zu 100% an die Spielzeiten 2013/14 und 2014/15 und war an Hilflosigkeit kaum zu überbieten. Man kann nur hoffen, dass es sich um einen riesigen Ausrutscher und vor allem eine Ausnahme handelt.

Vergangene Woche nach dem 0:1 gegen den FC Schalke 04, der heute übrigens dem 1. FC Köln mit 0:3 unterlag (hmmm, wie kann das denn?...), schrieb ich, dass trotz des vielen Aufwands gerade eine solch unglückliche Niederlage zu einer Entwicklung dazu gehört. Im Volksparkstadion fehlten den Rothosen zwar über weite Strecken die spielerischen Mittel, doch die Mannschaft hatte sich bis zum Schluss gegen den dreckigen Auswärtssieg der Knappen gewehrt und hätte mit etwas Glück sogar noch einen Punkt holen können. Genau mit den selben Vorsätzen sind die Jungs dann auch nach Berlin gefahren, doch schon ab der zwanzigsten Minute war von all dem nichts mehr zu sehen. Ganz im Gegenteil: Der HSV schien rückfällig geworden zu sein und war nicht in der Lage, sich konsequent Torchancen zu erarbeiten. An diejenigen, die die Hanseaten im ersten Durchgang als das spielbestimmende Team gesehen haben, bleibt zu sagen, dass dann auch irgendwann mal ein Tor fallen muss, wenn man Lasogga schon als einen echten Mittelstürmer bezeichnet. Der gebürtige Berliner blieb jedoch wie schon in den vergangenen Spielen weitestgehend unauffällig, was sich nicht auf Kampfgeist und Einstellung bezieht, sondern auf die gewissen Eigenschaften, die ein Stürmer mitbringen muss.


So quälten sich die Hamburger dem Abpfiff entgegen und ließen eine Viertelstunde vor Schluss ein weiteres "Deja Vu" zu, nämlich den absoluten Totaleinbruch in der Hintermannschaft. Zwei Berliner Tore innerhalb von vier Minuten, nur weil schon zu einem Zeitpunkt kapituliert wurde, bei dem andere Mannschaften noch konzentriert versuchen, den knappen Rückstand auszugleichen. Auch das ist symptomatisch und passt zum HSV der letzten Jahre. Leider weiß irgendwie niemand, ob es insbesondere in der Schlussphase an Kraft, Kondition oder Willensstärke liegt.

Des Weiteren könnten wir jetzt wieder die alter Leier runterlaufen lassen und sagen, dass die Hertha wie jedesmal nur das nötigste getan und die Norddeutschen ausgekontert hat. Doch irgendwo müssen auch die Ursachen der Inkonstanz unseres Teams liegen und vor allem muss dringend folgendes Problem behoben werden: Warum schaffen wir es immer noch nicht, gegen durchschnittliche Gegner wie Frankfurt oder Hertha anständige Torchancen zu erarbeiten? Wer mal genauer hinsieht, wird schnell feststellen, dass die Rothosen in den vergangenen vier Spielen sage und schreibe eine Bude gemacht haben, und zwar einen abgefälschten Freistoß von Michael Gregoritsch beim Auswärtsspiel in Ingolstadt. Das im darauffolgenden Spiel gegen Schalke dann zu viel erwartet wurde, war irgendwie vorher klar, doch das uns die Kicker auch gestern im Olympiastadion ein dermaßen schwaches "Offensivkonzept" präsentierten, ist schon eine bittere Erkenntnis. Die im Vorfeld von den Medien und offiziellen Medien beschworenen Einzelaktionen von Akteuren wie Aron Hunt, Lewis Holtby oder Marcelo Diaz blieben aus und auch sonst Bolzte der Dino wie eine Sonntag´s Kreisklassen-Truppe nach einem Mannschaftsabend in der Altstadt.

Wer das als "Erfahrungen innerhalb einer Entwicklung" bezeichnet, gehörte vorher entweder zu den Lobpredigern von Mopo, Abendblatt und BILD oder hat den Ernst der Lage noch nie richtig erkannt. Der HSV hat auf allen Ebenen noch massiv Probleme und befindet sich damit in einer Liga, in der Ausruhen auf keinen Fall erlaubt ist. Nun gilt es, mit ganz viel Rationalität an die kommenden Aufgaben heranzutreten und weder durchzudrehen, wenn etwas klappen sollte, noch, wenn etwas nicht klappt! Ich habe bereits oft erwähnt, dass diese Saison trotz der Erfolge gegen schwankende Stuttgarter, verunsicherte Gladbacher und den frisch aufgestiegenden FC Ingolstadt sehr schwer wird und jetzt ist ein Punkt erreicht, an dem dieser Verein schon wieder kurz vor der nächsten Krise steht. Das ist bei anderen Clubs nach zwei Niederlagen nicht der Fall, doch beim HSV kann sich Verunsicherung und Angst leider sehr schnell ausbreiten, wofür wir in der jüngeren Vergangenheit reichlich an Beispielen hatten.

Um einen erneuten Absturz in den Tabellenkeller zu verhindern, hilft nur eins: Punkten in den kommenden Spielen gegen Leverkusen, Hoffenheim und Hannover. Das wird weiß Gott nicht einfach, doch die Bruno Labbadia kann die anstehende Länderspielpause intensiv nutzen, um die Köpfe der Spieler wieder frei zu bekommen. Am 17. Oktober werden dann wieder über 50.000 im Volksparkstadion sein und hoffentlich einen anderen, stärkeren Auftritt unseres Hamburger Sport-Verein zu sehen bekommen.

Hertha BSC Berlin - Hamburger SV   3:0 (1:0)

Aufstellung Hamburg: Drobny - Diekmeier, Djourou, Spahic, Ostrzolek (46. Sakai) - Diaz (62. Ilicevic), Ekdal - Müller (46. Olic), Hunt, Holtby - Lasogga

Tore: 1:0 Kalou (17.), 2:0 Ibisevic (76.), 3:0 Ibisevic (78.)

Zuschauer: 65.427

NUR DER HSV

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