Achtung: Diese Beiträge könnten mit Humor geschrieben sein!

Dienstag, 1. September 2015

Spiel verpasst

Aufgrund längerer Abwesenheit konnte ich die samstägliche Auswärtsreise unseres Sportvereins nach Köln weder antreten, geschweige denn das Spiel in irgendeiner Form verfolgen. Ob es besser gewesen ist? Jedenfalls war ich mir nach nicht allzu langer Betrachtung einer kurzen Zusammenfassung der Partie sicher, dass ein Aufenthalt im Mügersdorfer Stadion am späten Samstagnachmittag in tiefer Ernüchterung geendet wäre, denn die Rothosen wurden für einen soliden Auftritt mit den drei gegen Stuttgart im Rücken nicht belohnt. Hiermit ist allerdings nicht gemeint, dass Schiedsrichter keine Fehler machen dürfen.

Um eines im Vorfeld klar zu stellen: Jegliche Spekulationen über Verschwörungstheorien der restlichen Liga gegen den HSV sind absolut überflüssig. Deniz Aytekin wollte an diesem 3.Spieltag sicherlich nicht der Interesse nachkommen, die Duseltruppe der letzten beiden Spielzeiten mal so schön richtig zu verpfeifen und eher unberechtigt auf den Elfmeterpunkt zu zeigen. Es handelt sich schlichtweg um Dinge, die unter dem Druck des Geschäftes passieren und das Hochglanzprodukt Profifußball menschlich erscheinen lassen. Man kann die umstrittene Szene aus der 79. Minute, an der wieder einmal Emir Spahic beteiligt war, aus unzähligen Blickwinkeln betrachten nach der 10-fachen Fernsehwiederholung sagen, ob die Aktion des Bosniers regelwidrig war oder nicht. Fakt ist allerdings, dass der Schiedsrichter dort unten auf dem Platz in Bruchteilen von Sekunden eine Entscheidung fällen muss und dabei über keine einzige aufwendig erstellte Zeitlupe verfügt. Wenn er Pech hat, befindet er sich auch noch in einer Position, aus der er die diskutierte Situation unweigerlich nur ganz schlecht beurteilen kann, sodass am Ende das Bauchgefühl entscheiden muss. Genau diese Gründe werden denke ich auch auf den zweiten Brennpunkt an diesem Nachmittag zutreffen, wo es ebenfalls gegen die Hamburger lief, denn uns blieb ein klarer Handelfmeter verwehrt. Hätte es an dieser Stelle auch für den HSV einen Strafstoß gegeben, wäre die Chance auf einen absolut verdienten Punktgewinn nach einem angstlosen Auftritt bei den heimstarken Kölnern groß gewesen. Hätte, hätte, Fahrradkette!
Aber natürlich ist an einer Niederlage nie der Mann in Gelb allein Schuld - erst recht nicht beim Hamburger Sport-Verein. Beispielsweise müssen sich Cleber und Spahic beim Ausgleichstreffer zum 1:1, der die Wende für die Geißböcke einleitete, fragen, wer denn bitte auf den mehrfachen österreichischen Nationalstürmer Philipp Hosiner aufpassen muss. Ein sau krasser Abwehrfehler, der nach einem ordentlichen Gesamteindruck der ersten Hälfte und dem mutigen Beginn im zweiten Durchgang, in dem Lewis Holtby (!!!) die Norddeutschen zwischenzeitlich in Führung brachte, überhaupt nicht ins Bild passt. Danach passierte erneut dass, was wir aus der Vergangenheit bereits gewohnt waren: Die Mannschaft verfiel von Null auf Hundert in einer Art Schockstarre und kommt ganz plötzlich nicht mehr mit dem Offensivdruck des Gegners zurück, auf wenn das Siegtor vom Punkt aus erzielt wurde. So etwas gibt es in Zukunft einfach zu vermeiden, denn genau das ist die Stelle, an der es in der Hansestadt im Überfluss hapert: Nur wer einen freien Kopf hat, kann sich Zähler ergattern und eine stabile Position sichern. Es kann nicht immer die ganz große HSV-Bühne Namens Volksparkstadion mit 57.000 fantastischen Anhängern herhalten, um mal einen Sieg einzufahren. Zwar schaffst du dir vor eigener Kulisse eine Art Grundbasis, aber dennoch sind vor allem dreckige Siege auf Gegners Platze goldwert. In der Domstadt Köln hätte es einer werden können, doch Pustekuchen. Jetzt gilt es, die vielen positiven Aspekte mitzunehmen, denn schon nach der Länderspielpause gibt es gegen Borussia Mönchengladbach die nächste Chance - ebenfalls ein Auswärtsspiel!

Des weiteren verpflichtete die Chefetage am Montag noch auf dem letzten Drücker Aron Hunt vom VfL Wolfsburg, denn dringend wurde ein Verstärkung für das Mittelfeld gesucht. Im Gegensatz zu vielen anderen möchte ich dem ehemaligen Star von Werder Bremen selbstverständlich eine Chance geben, ehe schon vor dem ersten Einsatz als Rothose über die Krankenakte des gebürtigen Goslarers zu hetzen. Natürlich kann man anprangern, dass der 3 Millionen € Transfer nicht gerade in die angesprochene Verjüngungspolitik passt, aber meiner Meinung nach musste gerade im zentralen Mittelfeld gehandelt und ein erfahrener Spieler an die Elbe gelotst werden. Voraussichtlich wird Hunt erstmal für das Nachwuchstalent Gideon Jung übernehmen, was für den 20-Jährigen natürlich nichts schlechtes ist, denn so kann dieser sich mit viel Zeit und Ruhe weiterentwickeln, ohne jedes Wochenende unbedingt eine Spitzenleistung im Kampf um drei Punkte abliefern zu müssen. Ob wir solche Leistungen beim Neuzugang aus der Autostadt regelmäßig sehen, steht natürlich noch in den Sternen, doch in den kommenden Wochen warten richtungsweisende Begegnungen, in denen der HSV neben der Elf vom Niederrhein auch auf Eintracht Frankfurt und den Aufsteiger FC Ingolstadt 04 trifft. Erst dort wird sich dann zeigen, ob das Vorurteil Alt und Lauffaul wirklich auf Hunt zutrifft. 

Es liegen arbeitsreiche Wochen vor unserem Sportverein vom 1887, der sich durch das unglückliche 1:2 beim 1.FC Köln nicht schon wieder auf die schiefe Bahn lenken lassen darf. Und selbst wenn auch die zweite Auswärtsfahrt ins Rheinland daneben gehen sollte, muss hartnäckig weitergemacht werden, denn nur geschlossene Stärke sorgt für positive Schlagzeilen und vertreibt die Unsicherheit der Spielzeiten 2013/14 und 2014/15.

NUR DER HSV

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen