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Mittwoch, 23. September 2015

Rumpelfußball und Gregoritsch

Es gibt in einer Saison gewisse Partien, die du einfach mal gewinnen musst und in ein paar Wochen nicht mehr der Rede wert sind. Eines von diesen war definitiv das gestrige Auswärtsspiel beim FC Ingolstadt 04, indem unser Hamburger Sport-Verein nur in der Schlussphase wirklich viel nach vorne investiert hat und dafür kurz vor dem Abpfiff mit etwas Glück belohnt wurde. Ganze zehn Punkte aus sechs spielen, so etwas hat man an der Elbe wahrlich lange nicht mehr erlebt und durch den gestrigen Sieg konnten die Rothosen an die Spitzengruppe der Liga anschließen. Doch nach wie vor sind wir mit dem Wort "Demut" am besten beraten.

Der HSV hat seinen Job gemacht. Endlich ist er wieder in der Lage, diesen zu erledigen! Nach dem schlampigen Saisonauftakt mit der Pokal-Pleite in Jena und der 0:5-Klatsche zum Bundesligaauftakt in München hätte niemand für möglich gehalten, dass sich diese Truppe so schnell fangen kann. Bruno Labbadia hat Mittel gefunden, für eine völlig verunsicherte Mannschaft eine zarte Routine zu entwickeln, welche die kleinen, aber so unglaublich wichtigen Anfangserfolge generieren kann und diesen Verein eventuell vor dem erneuten Absturz in den Tabellenkeller bewahrt. Aber so weit sind wir noch nicht! Es ist einfach nur schön zu sehen, dass wir endlich wieder elf Akteure auf dem Rasen stehen haben, die Spaß daran verspüren, sich Punkte hart zu erarbeiten und vor allem nicht sofort auseinander brechen, wenn der Gegner mal Druck aufbauen sollte. Und ich sage euch, dass der HSV 2014/15 dieses Spiel nicht gewonnen hätte, denn dazu haben wir gestern einen zu starken FC Ingolstadt gesehen, der phasenweise Überwasser hatte und gut und gerne auch das erste Heimtor in der Eliteklasse hätte erzielen können. Am Ende ist der Auswärtserfolg einer durchweg konzentrierten Defensivleistung der Hamburger und natürlich Michael Gregoritsch zu verdanken.


Denn dieser hatte in der 87. Minute durch sein direktes Freistoßtor überhaupt erst möglich gemacht, dass wir heute von einem überragenden Beginn in die englische Woche sprechen. Ok, natürlich war es etwas glücklich, dass Ingolstadt´s Bauer den Ball noch entscheidend ins rechte Eck abgefälscht hat, aber ein solches Quäntchen Glück brauchst du ab und an im Fußball und für drei Punkte muss man sich absolut nicht rechtfertigen. Alles in allem kann man sagen, dass sich die Hanseaten diesen Sieg über die gesamte Spielzeit hart erarbeitet haben, da uns die Hausherren das Spiel von Anfang an schwer gemacht haben und dafür hinterher zurecht viel Lob ernteten. Hinzu kommt das hohe Engagement der "Schanzer", die den HSV früh attackierten und es diesem erst in den Schlussphase richtig möglich war, ein spielerisches Übergewicht im Mittelfeld zu besitzen.

Als besonders Glücklich erwies sich im Nachhinein natürlich auch das Händchen von Bruno Labbadia, denn Torschütze Gregoritsch wurde zusammen mit Marcelo Diaz von der Bank gebracht und beide kurbelten das Spiel auf ihre Weise an. Und auch Aron Hunt und Lewis Holtby stellten gestern wieder unter Beweis, dass sie auf einem sehr guten Weg zu sein scheinen, besonders der Neuzugang vom VfL Wolfsburg machte in der Schlussphase als Ballverteiler im offensiven Mittelfeld einen sehr guten Eindruck. Was genau das für die gesamte Saison heißen wird, ist jetzt noch nicht prognostizierbar, denn es kommt auch darauf an, ob wichtige Spieler wie beispielsweise Johann Djourou, Pierre Michel Lasogga oder Dennis Diekmeier vom Verletzungspech verschont bleiben. Ebenso unklar ist, wie es nach der Genesung von Rene Adler mit der Torwartfrage weitergeht, doch Fakt ist, dass die Kiste unter Bewachung vom stillen Fußballgott Jaroslav Drobny dreimal sauber gehalten wurde. Auch gestern lieferte der Tscheche in entscheidenden Szenen wieder eine kompromisslose Leistung ab, die den Aufsteiger daran hinderte, den ersten Treffer vor heimischen Publikum erzielen zu dürfen. Allgemein ist es gut zu wissen, dass dieser HSV zwei starke Männer für die Position zwischen den Pfosten zur Verfügung hat, auf die Verlass ist.

Stimmungsmäßig war der Audi-Sportpark (Sorry, für den 2010 erbauten Betonkasten gibt es keinen traditionellen Namen) gestern natürlich nicht die Welt. Das heimische Publikum, vom plötzlichen Bundesliga-Boom in ihrer Heimatstadt überrascht, ist bis auf wenige Ausnahmen ruhig geblieben und hat lieber in aller Ruhe die guten, spielerischen Ansätze ihrer Provinzkicker zur Kenntnis genommen. Aus dem Hamburger Block, der gestern mit 2.000 Anhängern trotz der weiten Anreise von 715 km restlos ausverkauft war, war zumindest im zweiten Durchgang ordentlich was zu hören, während es in der ersten Halbzeit eher verhalten zuging. Angesichts der Tatsache, dass für das Spiel gegen Schalke am Samstag schon mehr als 50.000 Karten einen Besitzer gefunden haben, werden wir dann wohl wieder mehr auf die Ohren bekommen.

Und da wären wir auch schon beim Thema. Wie oben bereits erwähnt wird der weitere Verlauf der Hinrunde kein Zuckerschlecken sein und auf kurz oder lang werden wir womöglich auch wieder längere Durststrecken durchmachen. Dass kann schon am Samstag gegen die Königsblauen aus dem Ruhrpott sein, es kann aber auch erst in drei, vier Wochen passieren. Wichtig ist, dass jeder im oder aus dem Umfeld des unseres Hamburger Sport-Vereins versteht, dass diese Mannschaft gerade erst am Anfang einer Entwicklung steht, falls es denn diesmal eine werden sollte. Man sollte immer im Hinterkopf behalten, dass ein Großteil dieser Mannschaft zwei Jahre lang unter großem Druck und Angst vor dem Abstieg gearbeitet hat und die Vergangenheit nicht mit zwei Siegen gegen Gladbach und Ingolstadt vergessen gemacht werden kann. Umso wichtiger ist es, dass alle gemeinsam durch diese Spielzeit gehen werden, die gewiss auch seine schwierigen Phasen mit sich tragen wird.

FC Ingolstadt 04 - Hamburger SV   0:1 (0:0)

Aufstellung Hamburg: Drobny - Diekmeier, Djourou, Spahic, Ostrzolek - Kacar, Holtby (89. Cleber) - Müller (65. Gregoritsch), Hunt, Ilicevic (65. Diaz) - Lasogga

Tore: 0:1 Gregoritsch (87.)

Zuschauer: 15.000 (davon 2.000 Hamburger)

NUR DER HSV

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