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Donnerstag, 17. September 2015

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Im professionellen Vermarktungsalltag des Hochglanzproduktes Bundesliga ist es mittlerweile Gang und Gebe, dass finanzkräftige Unternehmen viele Freiflächen auf den teuren Trikots der Vereine mit den Logos ihrer Firmen versehen. Dabei ist alles perfekt durchgeplant, denn die Millionensummen fließen und bei kleinsten Verstößen gegen vertragliche Auflagen bekommen sich die Manager in die Haare und der Sponsor springt unter Umständen ganz schnell ab. Inmitten dieses Sumpfes, in welchen dieser Sport in den vergangenen Jahrzehnten hineingezogen wurde, versucht nun ausgerechnet die "BILD-Zeitung", eine solidarisch wirkende Kampagne zu starten. Doch die Sache hat einen gewaltigen Haken.

Am Mittwoch gab unser Stadtrivale FC Sankt Pauli als erster der 36 Fußballklubs unter dem Dach der Deutschen Fußball Liga bekannt, dass er sich nicht an der für den kommenden Spieltag von der BILD geplanten Aktion "Wir helfen - #refugeeswelcome" beteiligen werde. Eine ganz normale Entscheidung, die die Verantwortlichen eines Vereins, der sich seit Jahren für Menschenrechte einsetzt und auch darüber hinaus außergewöhnlich aktiv in Sachen Flüchtlingshilfe ist, wahrscheinlich direkt aus dem Bauch heraus getroffen haben. Denn in den vielen, offenen Diskussionsrunden am Millerntor wird man schnell erkannt haben, dass der Springer-Verlag mit dieser Kampagne eine plötzliche Kehrtwende einleiten würde, was so gar nicht zu den Berichterstattungen der vergangenen Wochen passt. Das Boulevardblatt hatte in der Vergangenheit zunehmend über die vermeintlich steigende Kriminalität durch Asyl-Bewerber berichtet und zudem ein widersprüchliches Bild in Sachen Willkommenskultur abgegeben, was tendenziell eher Richtung Populismus geht. Nicht zuletzt hat man auch zur Griechenland-Krise irgendeinen Müll verbreitet, indem man das griechische Volk in eine Schublade mit faulen und korrupten Leuten steckte und ihnen allein die Schuld am Bankrott des Staates gab.


Nun will die Berliner Redaktion in Kooperation mit dem Zusteller Hermes vermutlich mal eben schnell ein Feuer löschen, was in den letzten Wochen außer Kontrolle geraten ist und das Image der frei von moralischen Aspekten urteilenden Zeitung sehr verschlechtert hat. Man hat wohl auch in den eigenen Reihen erkannt, dass die kontroverse Berichterstattung täglich neuen Nährboden für diejenigen liefert, welche sich für alles andere als Toleranz und eine Willkommenskultur aussprechen. Die Bundesliga soll also am kommenden Spieltag für die BILD herhalten und Millionen Zuschauern den Eindruck vermitteln, das hinter der Kampagne ein wirklich guter Zweck steht? Da sagt der DFB als oberste Instanz natürlich nicht Nein, da die Kohle ja trotzdem kommt, wenn das zu sehende Logo selbstverständlich mit powered by BILD versehen ist. Also doch er eine Werbekampagne unter dem Vorwand der Flüchtlingsproblematik? Jedenfalls lässt sich durch das Aufgreifen einer internationalen Krise am besten Publik machen und vielen unwissenden wird der Eindruck vermittelt, dass der Springer Verlag der erste sei, der ein wirkliches Zeichen setzt.

Und genau so einfach darf es nicht gehen. Flüchtlingshilfe muss anders gestaltet werden, denn erstens werden die wenigsten der betroffenen Menschen am kommenden Samstag auf die "barmherzige" BILD-Aktion aufmerksam und zweitens ist auch hier alles bis ins letzte Detail geregelt und an die Vermarktungsmaschine Profifußball angepasst. Man hat überhaupt nicht mehr die Empfindung, dass diese Leute aus ihrem Gefühl heraus handeln und der festen Überzeugung sind, mit ihrer Idee etwas positives Bewegen zu können - erst recht nicht bei dieser Kampagne! Zu guter letzt kommt es eher wie eine Zwangsjacke rüber, die sich die BILD notdürftig angezogen hat, um ihr eigenes Bild wieder gerade zu rücken. Und so ist es ja auch. Man will eben ein Feuer löschen und akzeptiert dabei nicht einmal, dass einige (Beispiel St.Pauli) kein Wasser spenden werden.

Aus diesen Gründen würde ich mir auch vom HSV eine Contrareaktion auf die BILD-Kampagne am kommenden Samstag wünschen, wenn es im Volksparkstadion gegen Eintracht Frankfurt geht. Doch das wird sich denke ich wohl nicht ereignen, da unser Verein leider zu sehr in diesem Geschäft integriert ist und eine mögliche Absage einige Schwierigkeiten nach sich ziehen könnte. Deshalb schwimmt man beim großen Hamburger Dino lieber ohne nachzudenken mit dem Strom und repräsentiert den Springer Verlag über die eigenen Trikots als freundlich eingestellte Zeitung. Traurig, aber wahr. Damit müssen wir wohl leben.
Umso lobenswerter Finde ich, dass der Hamburger Weg am heutigen Donnerstag eine spontane Kleidersammlung für Geflüchtete im Volkspark einberufen hat, die ganz unverbindlich vonstatten gegangen ist. Das ist praktische Flüchtlingshilfe.

NUR DER HSV

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