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Montag, 21. September 2015

FC Ingolstadt - Anerkennen oder abwinken?

In unseren Profiligen hat in der jüngeren Vergangenheit ein breiter Wandel stattgefunden. Während Traditionsvereine wie 1860 München, Energie Cottbus oder Arminia Bielefeld seit Jahren aus dem Oberhaus des deutschen Fußballs verbannt sind, schafften immer wieder kleinere Klubs wie der SC Paderborn, Greuther Fürth oder eben der FC Ingolstadt 04 den Aufstieg in die Bundesliga. Oft verfügt man dort nur über ein sehr niedriges Etat, ein"putziges" Stadion und eine geringe Zuschauerbasis, was die Attraktivität eines Auswärtsspiels in der Provinz für gegnerische Fans nicht gerade steigert. Morgen gastiert unser HSV bei den Oberbayern - 715 km Anfahrt in der englischen Woche.

Es ist Sonntag, der 16. Mai, vorletzter Spieltag der Zweitligasaison 2014/15. Ausgerechnet gegen die scheinbare Übermannschaft Red Bull Leipzig (welch ein Zufall) macht der FC Ingolstadt den Aufstieg perfekt und geht damit als 55. Bundesligist in die Geschichte ein. Das endgültige Ergebnis langer und harter Arbeit, welche die "Schanzer" immer mit sehr viel Ruhe und Gelassenheit im Schatten der großen Veteranen verrichten konnte. Aber was heißt hier endgültig? Jetzt, wo die Ticketverkäufer bei einem für 15.800 Zuschauer ausgelegten "Hexenkessel" erstmals zweistellige Vorverkaufszahlen registrieren und die für einen Liganeuling ohnehin nicht schlecht gefüllte Kasse richtig zum Brummen bringen werden, geht es doch erst richtig los. Die Dorfultras fangen langsam aber sicher damit an, große Blockfahnen zu bemalen und stolz bei Heimspielen zu präsentieren, sodass bereits eine echte Fankultur vorhanden ist. Und der große Hauptsponsor Audi, der sich zwar dezent im Hintergrund hält, aber weiß Gott nicht zu kurz kommt, wird mit seinem Geld jetzt erst recht dafür gesorgt haben, eine Mannschaft auf die Beine zu bekommen, die das Fußballspektakel Ingolstadt mit all seinen kommerziellen Auswüchsen zumindest mittelfristig in der obersten Etage etablieren kann. Oder?


Grundsätzlich sollte man klar stellen, dass die Schanzer nicht der kleine Bruder des Plastikprodukts "Rasenballsport" ist, denn dazu agiert man in Bayern viel zu bescheiden. Anstatt eine riesige Arena in die Welt zu setzten, baute man lieber einen schmucklosen Betonkasten, der für den "Zuschauerandrang" in Liga zwei absolut ausreichend war und der Gästeblock meistens genau so viele Schlachtenbummler zählte wie in allen Heimbereiche zusammen. Selbstverständlich hat sich das jetzt in der Bundesliga geändert, wenn die Gegner nicht mehr Sandhausen, Bochum oder Heidenheim heißen, sondern plötzlich München, Dortmund oder Schalke zu Besuch kommen. Dann sehen viele der vom Sofa gelockten Fußball-Konsumenten erstmals ihre Provinzmannschaft, die bereits über Jahre an Ort und Stelle zusammengewachsen ist und einige wirklich gute Nachwuchsspieler wie beispielsweise Danny da Costa oder Pascal Groß in ihren Reihen hat. Außerdem verfügen die Jungs von Trainer Ralph Hasenhüttl, der mit seiner Rationalität großen Anteil am Höhenflug der No-Name Truppe hat, über einen exzellenten Teamgeist, sodass die ersten drei Auswärtsspiele allesamt mit 1:0 gewonnen werden konnten - das ist absoluter Rekord für einen Aufsteiger.

Man fragt sich nun, ob man den FC Ingolstadt wirklich mit den anderen Beispielen für Sponsorenabhängige Klubs in eine Schublade stecken soll. Aus sportlicher Sicht nicht wirklich. Dort leisten die Verantwortlichen seit Jahren prächtige Arbeit und haben sich auch von zwischenzeitlichen Schwächelphasen nicht unterkriegen lassen, bei denen in Leipzig gerne Mal die Köpfe rollen. Doch letzten Endes findest du beim FCI nicht gerade jenes, was sich viele von uns unter Fußball vorstellen und was diese besondere Sportart ausmacht. Im 2010 fertiggestellten Audi-Sportpark wird uns vermutlich noch eher der Geruch von Beton und brandneuen Wellenbrechern begrüßen, als der von Bratwurst, Bier und Zigaretten. Und da der überraschende Aufstieg in diesem Jahr die Region um die Stadt nicht gerade in überschwängliche Euphorie versetzt hat, wird die Stimmung aus der kleinen Stehplatzkurve hinter dem Tor auch eher schwer vernehmbar sein, während im Gästesektor die Post abgeht und dem Hamburger Sport-Verein hoffentlich zu einem weiteren Auswärtsdreier verholfen wird.

Im Großen und Ganzen ist der FC Ingolstadt dann also doch nur einer dieser Klubs, die zwar sehr viel Aufwand betreiben, dabei aber von der breiten Masse die Grenzen aufgezeigt bekommen. Denn es steckt halt keine ehrliche Identität hinter den Schanzern und außerdem gibt es nur wenige Leute, die sich voll und ganz in den Verein verliebt haben und auch beim Rückspiel im Volkspark zu sehen sein werden. Wem nützt es also, wenn die Mannschaft von Ralph Hasenhüttl eine passable Saison in der ersten Liga spielt und am Ende gesagt bekommt "habt ihr ja ganz ordentlich gemacht, mal schauen, ob ich nächstes Mal vielleicht eine Halbzeit mit Kollegen in der Loge verbringen werde"?

Wir sollten uns morgen also lieber auf unsere Rothosen konzentrieren, die bestmögliche Unterstützung liefern und auf eine Fortsetzung des Aufwärtstrends hoffen. Neuzugang Albin Ekdal fehlt zwar immer noch, doch ansonsten stehen alle wichtigen Akteure zur Verfügung und Bruno Labbadia kann aus den vollen Schöpfen. Der gute Start der Gastgeber aus Oberbayern sollte ein Warnschuss sein, allerdings hat man bisher noch keinen Treffer im eigenen Stadion erzielen können.

NUR DER HSV

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