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Sonntag, 9. August 2015

Looser

"Die Sensation ist ausgeblieben. Nach aufopferungsvollem Kampf und zwei sehenswerten Toren musste sich der Hamburger Sport-Verein nach 120 Minuten DFB-Pokal doch dem Favoriten Carl Zeiss Jena geschlagen geben. Trotzdem können die Hanseaten aus diesem einmaligen Event viel positives für die anstehende Saison im harten Ligaalltag mitnehmen, wenn es gegen gleichwertige Gegner wie beispielsweise den FC Bayern München, den VfL Wolfsburg oder Borussia Dortmund geht. Auf jeden Fall hat das Team von Bruno Labbadia an diesem Sonntag lust auf mehr gemacht."
Jaja, so oder so ähnlich könnte die Mopo ihren morgigen Artikel einleiten, wenn es darum geht, den Schock-Auftritt des HSV beim FC Carl Zeiss Jena irgendwie zu vermarkten. Das legendäre Ernst-Abbe Sportfeld jedenfalls ist heute um ein Fußballmärchen bereichert worden, denn die kampfstarke Regionalligatruppe aus Thüringen hat den vermeintlich großen Erstligisten aus dem hohen Norden förmlich zur Schnecke gemacht und sich ganz getreu dem eigenen Motto bundesweit präsentiert. Die Gäste hingegen verfielen wieder in ihren gewohnten, individuellen Scheißstil der vergangenen zwei Jahre und scheinen unter Wettkampfbedingungen einfach nicht zu funktionieren. Erfolge können bei den ängstlichen Hanseaten eben nur durch absolut glückliche Umstände eingefahren werden - und selbst die hat es heute gegeben.

Denn eigentlich hätte bereits nach 90 Minuten Schicht im Schacht sein müssen, doch dank eines Stochertores durch Michael Gregoritsch nach Vorbereitung von Rene Adler (!) kam es doch noch zum umjubelten Ausgleich in der Nachspielzeit, welcher nur auf einem irregulärem Treffer von Ivica Olic basierte, der zum ersten Ausgleich führte. Ohne diesen Treffer wäre unser Sportverein gar nicht mehr in die glückliche Lage gekommen, nach der erneuten Führung des FC Carl Zeiss Jena noch um die Verlängerung kämpfen zu dürfen. Darüber hinausgedacht ist es natürlich auch äußerst bitter, wenn man sich bei einem Viertligisten dreimal Verarschen lässt, natürlich nicht auf die Idee kommt hinten aufzuwachen und dadurch immer wieder Rückständen hinterherlaufen muss.


In der Verlängerung war jedoch endgültig Schluss mit dem Katz und Maus-Spiel und Johannes Pieles, einen, den vermutlich nicht mal in Jena alle kennen, sorgte mit seinem Treffer zum 3:2 für klare Verhältnisse. Der HSV war bereits zu diesem Zeitpunkt stehend KO und hatte wie bereits in der gesamten Partie auch beim Nachsitzen nicht viel zu verkaufen, von kräftemäßigen und konditionellen Unterschieden zwischen einem Regionalligisten und einer Millionentruppe war ohnehin keine Spur. Die Hausherren boten gemeinsam mit den 13.800 Zuschauern einen Kampf, welchen der HSV bis dato wohl noch nie so erlebt hat, sodass die Überraschung aufgrund der Spielanteile gar nicht so groß war. Am Ende schied man, wie von vielen im Vorfeld vermutet, Sang- und Klanglos in der ersten Runde aus und sollte sich ein Beispiel an der Einstellung des FC Carl Zeiss Jena nehmen. Die Thüringer haben gestandenen Bundesligaprofis, die teilweise internationale Erfahrung besitzen, im wahrsten Sinne des Wortes eine Lehrstunde erteilt und die einfachsten Fehler offen gelegt, was mitunter ganz schön krass war. Entschuldigung, aber wenn das, was heute über 120 Minuten präsentiert wurde, das Ergebnis intensiver Trainingswochen in Graubünden, Harsewinkel und auf dem Luxusgeläuf direkt neben dem Volksparkstadion sein soll, kann man sich nur totlachen und direkt in den Chor "Erste Liga, und keiner weiß warum!" einsteigen.

Eigentlich ist es die größte Qual, direkt nach dem ersten Pflichtspiel der Saison 2015/16 schon wieder in alte Statuten der Kritik zurückkehren zu müssen. Die Mannschaft hatte es heute selbst in der Hand, doch scheinbar konnte sie es nicht lassen, um ein weiteres Mal Kredit beim eigenen Anhang zu verspielen, der heute zahlreich und mit viel Hoffnung im Gepäck angereist war. Und an dieser Stelle helfen auch nicht die üblichen Fußballfloskeln, wie "Die heißen Temperaturen schufen brutal schwierige Bedingungen" oder "Die Mannschaft ist momentan noch in der Findungsphase", von denen gerne für eine Ausrede nach einer Blamage in der 1.Pokalrunde Gebrauch gemacht wird. Gegen kampfstarke und wackere Außenseiter erfordert es zwar immer viel Kraft, sich und seine eigenen Stärken durchzusetzen, doch es kann mir keiner erzählen, dass es nicht möglich war, gegen einen Viertligisten mit einer vernünftigen Leistung die nächste Runde zu erreichen. Zum Vergleich: Borussia Dortmund musste bereits in dieser Woche mit der Doppelbelastung Europapokal (die wir überhaupt gar nicht erst haben) zurechtkommen und sich am Donnerstag noch gegen den Wolfsberger AC durchsetzen, aber hat trotzdem heute in Chemnitz bestehen können, obwohl der CFC einen tollen Auftritt hingelegt hatten. Und warum? Weil der BVB den Kampf direkt angenommen hat, hinten sicher Stand und mit ganz viel Ruhe nach vorne spielte, sodass am Ende ein knappes, aber vollkommen ausreichendes 2:0 zustande kam.

Der HSV hätte also nach dem Ausgleichstreffer, der zwar unrechtmäßig erzielt, aber vom Schiedsrichter anerkannt wurde, viel mehr machen müssen und hätte sich de zweiten Gegentreffer niemals fangen dürfen. Am Ende bleibt aber nur die bittere Erkenntnis, das genau das nicht stattgefunden hat und dass die Rothosen in den entscheidenen Phasen schlichtweg keine Cleverness zeigten. So baust du den Gegner wieder auf, lässt in zu Chancen kommen und scheidest am Ende aus. Basta. Das der Hamburger Sport-Verein nächste Woche zum Bundesligaauftakt nach München muss, dazu sage ich hier jetzt einfach mal gar nichts.

FC Carl Zeiss Jena - Hamburger SV   3:2 n.V. (1:0)

Aufstellung Hamburg: Adler - Sakai, Spahic, Cleber, Ostrzolek - Ekdal (61. Schipplock), Diaz, Holtby (70. Jung) - Olic, Lasogga (77. Gregoritsch), Ilicevic

Tore: 1:0 Gerlach (15.), 1:1 Olic (48.), 2:1 Jovanovic (58.), 2:2 Gregoritsch (90+4), 3:2 Pieles (106.)

Zuschauer: 13.800

NUR DER HSV

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