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Freitag, 17. Juli 2015

Ihr sollt ja nicht schön spielen!

Es ist jede Sommerpause dasselbe Szenario: Zwischen hoffnungsvollen Presseberichten über spektakuläre Neuverpflichtungen und ganz zarten, aber kaum nennenswerten Anfangserfolgen wie beispielsweise der (Vermarktungs-) Telekom Cup versucht der durchschnittliche Nordtribünengänger, sich irgendwie ein Bild von diesem Verein zu machen. Und das ist gewiss nirgendwo schwerer als in Hamburg, denn die Enttäuschungen der vergangenen beiden Spielzeiten sitzen nach wie vor tief und (noch) ist der Plan der Vereinsführung etwas irreführend.

Wie hat man sich früher gefreut, wenn es wieder einmal hieß, dass hoffnungsvolle Neuverpflichtungen bekanntgegeben wurden oder große Fußballer wie Ruud van Nistelrooy in die Hansestadt kommen sollten. Doch längst hat sich das Vertrauen in gestandene Profis gelegt und zu jeder, vermeintlich positiven Entscheidung des Vorstandes gibt es irgendeinen negativen Komponenten. Der Schrecken der insgesamt vier Relegationsspiele sitzt noch ganz tief und die vergangenen Jahre haben knallhart aufgezeigt, dass Geld keine Tore schießt, bis man plötzlich gar keines mehr zur Verfügung hat. Siehe da: Auf einmal ist der Frust über die Verkäufe der beiden hoffnungsvollen Nachwuchstalente Maximilian Beister und Jonathan Tah schon größer als die Freude über die Verpflichtung des Erfahrenen Emir Spahic, obwohl das natürlich nichts über die Qualität des Verteidigers aussagen soll.
Doch was spricht in dieser Situation überhaupt für den HSV? Kann man angesichts der schnelllebigkeit im Bundesligageschäft in so kurzer Zeit ein schlagkräftiges Team formen? In diese Richtung sind zumindest die Ansetze schon mal nicht schlecht:

  • Mit Emir Spahic könnte ablösefrei ein erfahrener Innenverteidiger an Land gezogen werden, was dringend notwendig war, denn mit Heiko Westermann und Slobodan Rajkovic haben zwei Routiniers den HSV verlassen
  • Der Offensivfreudige Gotuko Sakai kam für 700 Tsd. Euro vom VfB Stuttgart 
  • Das türkische Talent Batuhan Altintas konnte Ablösefrei instaliert werden.
  • Der glücklose Valon Behrami wurde für 4,5 Millionen Euro an den FC Watford abgegeben
Zumindest hier zeigt sich, dass der Vorstand das Geld nicht mehr einfach so aus dem Fenster schmeißen will, dazu natürlich auch nicht mehr die Möglichkeiten hat. Allerdings könnte die Kohle, die durch Valon Behrami und auch durch den Verkauf von Jonathan Tah (7,5 Millionen Euro) in die Kasse gespült worden ist, schon morgen wieder ausgegeben sein, denn noch hat der Hamburger Sport-Verein seine "Shopping-Tour mit Einschränkungen" nicht beendet. Albin Ekdal soll laut verschiedenster Medien kurz vor der Vertragsunterzeichnung stehen, es soll sich um eine Ablösesumme von rund 4,5 Millionen Euro handeln. Darüber hinaus warten auch der Bochumer Michael Gregoritsch und Emil Berggreen von Eintracht Braunschweig auf ein Signal aus Hamburg, sodass Ekdal nicht der letzte Neuzugang dieser Transferperiode werden könnte.

Doch wem hilft das alles? Wie bereits erwähnt ist Optimismus bei Millionen-Neuzugängen mittlerweile eher schlecht als recht, man sehnt sich an der Elbe lieber nach klarer Struktur und kleinen Erfolgen - am besten im Mittelfeld der Tabelle. Doch dazu muss Bruno Labbadia bis zum Saisonstart, der am 14. August beim FC Bayern München schwerer denn je wird, noch einiges ändern. Besonders die Grundeinstellung der Spieler sollte für längere Zeiträume ausreichen können, denn es reicht nicht, mal ein oder zwei Spiele am Stück gute Leistungen abzuliefern. Die Spieler sollten trotz des gelegentlichen Trubels beim HSV ihre eigene Entwicklung stets im Blick behalten, was den Ansporn steigert, über die gesamte Saison hinweg ordentliche Partien abzuliefern. Nur so kann meiner Meinung nach noch mehr Motivation herausgekitzelt werden und nur so ist vernünftige Arbeit mit Nachwuchsspielern möglich.

Die andere Sache wäre das ständige Gerede von Kampf, Einsatzbereitschaft und Leidenschaft, welche Tugenden im Fußball zwar eine große Rolle spielen, aber zweifelsohne nicht in jeder Partie umgesetzt werden können. Ja, in der Tat, du musst auch mal einen 1:0-Auswärtssieg in Ingolstadt einfahren können, bei dem die Mannschaft insgesamt nur auf 86% gekommen ist. Wenn du aber immer den perfekten Fußballnachmittag, eine große Fanbasis im Stadion und 130% Einsatz der Mannschaft benötigst, bist du in der Bundesliga eigentlich hoffnungslos verloren. Ein schwaches Spiel, dafür aber ein Kopfballtor zum Sieg in der 90. Minute muss es auch mal tun.

Ich bin gespannt, wie der HSV in die anstehende Saison 2015/16 startet und wie sich der gesamte Verein nach Jahren im Chaos präsentieren will - hoffentlich bloß nicht gleich mit einer kreisklassenähnlichen 0:8-Klatsche in München.

NUR DER HSV

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