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Montag, 15. Juni 2015

Stagnation an der Elbe?

Die außerordentliche Mitgliederversammlung des Hamburger Sport-Verein e.V. ist wieder einmal vorüber. Ja, ihr habt schon richtig gelesen, gestern hatten sich immerhin 335 stimmberechtigte Mitglieder auf der Südtribüne des Volksparkstadions eingefunden, um ihrem Ärger über die abgelaufene Spielzeit 2014/15 und vor allem über die Preiserhöhung bei den Dauerkarten für die kommende Saison Luft zu machen. Doch irgendein eine überraschende Verkündung des Vorstandes oder eine Vision für die Zukunft? Fehlanzeige! Stattdessen war nach zweieinhalb Stunden Schluss.

Bereits um 13.40 Uhr, man hatte sich gerade erst die Augen gerieben, schloss die Versammlungsleiter und Präsident Jens Meier die Veranstaltung. Ok, es standen keine Wahlen für diverse Räte und Gremien des HSV an, doch nach solch einem "hammermäßigen" 52. Jahr in der Fußball-Bundesliga, in dem mit ganz viel Glück der Klassenerhalt gelang, muss schon mal reinen Tisch gemacht werden - und zwar von allen Beteiligten. Vorstandsvorsitzender Dietmar Beiersdorfer war in dieser Hinsicht zumindest sehr bemüht, hat viele Fehler eingestanden aber auch die Arbeit vieler Verantwortlicher gerechtfertigt und verteidigt. Selbstverständlich kann man sich nicht mit einer einzigen Ansprache nicht aus der Scheiße herausreden, in die sich sämtliche Herren der oberen Etagen hineingearbeitet haben, doch zumindest hat sich der sonst eher wortkarge Didi getraut, sich Mitgliedern und Fans zu stellen. In dieser Hinsicht ist es allerdings sehr verwunderlich, dass die Anwesenheit des mitteilungsbedürftigen Aufsichtsratsvorsitzenden Karl Gernandt vergeblich festgestellt werden konnte.

Für seine halbstündige Rede erntete Dietmar Beiersdorfer nicht gerade Applaus, sondern eher herbe Kritik, welche natürlich nicht verwunderlich ist, denn zu Saisonbeginn wurde das Geld förmlich aus den Fenstern geschmissen. 35. Mio Euro für Neuzugänge wie Lewis Holtby, Nicolai Müller oder Cleber Reis wurden verbraten, um ein Team zu "verstärken", das am Ende von insgesamt 4 Trainern mit Ach und Krach auf den Relegationsplatz gehievt wurde. Jedoch war das natürlich nicht alles, denn während dieser miserablen Situation nahm das Chaos im gesamten Verein kein Ende und der Vorstand wirkte oft hilf- und ratlos. Einige dieser katastrophalen Fehlentscheidungen hat der Vorstandsvorsitzende gestern eingestanden, die Kritik an seiner Person war dennoch laut und offen. Allerdings kann zur Verteidigung des ehemaligen Manndeckers vom HSV auch erwähnen, dass nicht jede Attacke berechtigt ist.
"Woher soll ein gutes Konzept für Jugendarbeit kommen, wenn die Jahre zuvor nichts geschehen ist?" (Dietmar Beiersdorfer)
Dieser Satz trifft definitiv den Kern, denn das Feuer loderte schon vor den Zeiten der Aktiengesellschaft. Und besonders das Thema Jugendarbeit und Jugendtransfers hat für unseren Klub bis heute Nachwirkungen, denn zahlreiche Spieler, die auch international unterwegs sind, wurden hier in Hamburg ausgebildet und anschließend leider Gottes weiterverkauft - ohne je ein Spiel für die erste Herrenmannschaft zu bestreiten.
Mit den meisten Argumenten aber konnten die Kritiker wie beispielsweise Ernst-Otto Rieckhoff bei den Mitgliedern punkten, wobei diese Thesen natürlich auch absolut berechtigt sind. Wenn Beiersdorfer, wie er es von sich aus bestätigte, schon vor mehr als 11 Monaten anprangerte, dass die Rothosen in allen Bereichen die Wettbewerbsfähigkeit verloren haben, hätte er im Jahr 2014 einfach besser mit dem Trinkgeld von "Papa Kühne" umgehen müssen.

Doch nicht nur für den sportlichen "Werdegang" der Profimannschaft, sondern auch für das übrige Management mussten die hohen Herren einiges über sich ergehen lassen. Viele Fans nutzten die Möglichkeit, um von ihrer Empörung über die Erhöhung der Dauerkartenpreise zu berichten. Außerdem wurde die Kosten für das Personal der Geschäftsstelle kritisiert, welche sich derzeit auf 13 Millionen Euro (!) belaufen. Ein wirklicher Grund, um einmal aufzuzeigen, dass bei diesem HSV nicht alles normal ist.

Am Ende der Versammlung blieb jedoch erstmal ein Blick in Röhre. Der Hamburger Sport-Verein steht vor einem Scherbenhaufen und ist zurzeit offenbar noch nicht in der Lage, diese Probleme anzugehen. Die Angst vor der Stagnation ist jetzt riesengroß, denn der HSV besitzt keinerlei finanzielle Mittel, um einen wirklichen Umbruch einzuleiten. Außerdem sieht es zur Zeit offenbar so aus, als ob vorerst alles beim Alten bleibt und das Grauen in der kommenden Saison erneut stattfindet. Aber so weit ist es noch nicht und vielleicht lässt sich die Mannschaft ja auch gar nicht von diesem Tohuwabohu anstecken. Und noch sind es erstmal noch zwei Monate bis zum Ligastart. Abwarten.

Herzlichen Glückwunsch an folgende Preisträger und Geehrte: 

Helge Schwarzer (Leichtathlet, Paul-Hauenschild Preis)

Annika Zeyen (Rollstuhlbasketballerin, Horst Eberstein Pokal)

Abteilung Basketball (hervorragende Abteilungsarbeit)

Abteilung Tennis (herrausragende Jugendarbeit)

NUR DER HSV

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