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Dienstag, 2. Juni 2015

Der Freistoß

Die Nachspielzeit ist angebrochen. Es kann sich nur noch um Sekunden handeln, bis über das Schicksal des Dinos entschieden ist. Was bleibt ist nur noch eine Freistoßgelegenheit aus komfortabler Position, doch daraus wird doch sowieso nichts mehr. Der Schock sitzt tief, die Uhr ist abgelaufen, in wenigen Minuten beginnt für unseren Verein eine neue Zeitrechnung. Eigentlich können wir jetzt auch gehen, um nicht mit der Masse der restlichen 4.000 treuen Rothosen schwimmen zu müssen. Doch dann kommt Marcelo Diaz und haut das Ding einfach rein. Wahnsinn!

Rational ist das längst nicht mehr erklärbar. Jedenfalls nicht das, was sich da gestern auf den Rasen des Karlsruher Wildparkstadions abgespielt hat. Spätestens nach dem unverhofften aber gleichzeitig auch hochverdienten Ausgleich, der oben bereits geschildert wurde, war für mich und wahrscheinlich auch für viele andere Fußballinteressierte klar: Irgendjemand oder irgendetwas will nicht, dass der Hamburger Sport-Verein zum ersten Mal in seiner 128-Jährigen Geschichte in eine tiefere Spielklasse absteigen muss. Und genau auf diese Weise wird ein solches Szenario immer wieder erneut verhindert, sei es durch unermüdlichen Kampf wie am letzten Spieltag gegen Schalke, durch enormes Glückspotential wie letztes Jahr in Fürth oder eben durch das letzte Quäntchen Hoffnung wie gestern in Karlsruhe. Ob das alles gerecht ist? Selbstverständlich nicht. Aber wir sind hier beim HSV, welcher tatsächlich einfach nicht absteigen kann.

Nun hat also ein Klub die Klasse gehalten, der vor der Saison 33 Millionen Euro für neue Spieler investiert hat und mit einem Kader an den Start gegangen ist, der insgesamt 70 Millionen Euro (!) kostet. Zudem hat es bis zum Schluss ganze vier Trainer gebraucht, um das Himmelfahrtskommando irgendwie mit biegen und brechen auf den Relegationsplatz zu bringen. Lediglich der letzte aus der Reihe der Übungsleiter 2014/15 (mal sehen, bald gibt es bestimmt extra ein Paninialbum dafür) hat dieses Tohuwabohu dann anscheinend wirklich zur Herausforderung seines Lebens gemacht, nämlich Bruno Labbadia. Garantiert der Erste, dem man zum Klassenerhalt gratulieren sollte, bevor man nach einem erneuten Anlauf mit Dietmar Beiersdorfer oder Peter Knäbel in der Chefetage kräht. Und da wären wir auch schon beim Thema. Denn jetzt ist aufwachen angesagt und das möglichst schnell. So ein Spiel wie gestern kann man eindeutig als absolut letzte Chance interpretieren, die dieser Verein bekommen hat und es war sogar schon die Zweite. Mir ist völlig egal, wer ab den kommenden Wochen im Vorstand die Fäden in der Hand hat, denn wahrscheinlich wird es sowieso der oben genannte Mann sein, der im Volksparkstadion mal sechs Jahre der Kugel hinterhergerannt ist. Es ist bloß von immenser Bedeutung, endlich das Richtige zu tun und vor allem überlegte Schritte auszuführen. Gibt es nochmal so eine wilde Shopping-Tour auf den Transfermarkt mit Kohle, die der HSV normalerweise gar nicht übrig haben dürfte, steht uns eine weitere Spielzeit des Grauens bevor.

Wie kommt man jetzt wieder auf den unglaublichen 2:1-Sieg beim KSC zurück? Eine Überleitung lässt sich nur schwer finden. Die beiden Tore von Marcelo Diaz und Nicolai Müller jedenfalls waren atemberaubende Glücksmomente, die man so schnell nicht vergessen wird. Wer weiß, was ein eventuelles Elfmeterschießen angerichtet hätte. Aber auf diese wahnsinnige Geschichte werde ich irgendwann noch einmal zurückgreifen, wenn dieser Montagabend vollständig verdaut wurde. Jetzt wenige Stunden nach dem Abpfiff will man einfach nur noch, dass der geilste Verein der Welt nicht nochmal so nah am Abgrund steht und beginnt deshalb schon mit seinen Warnungen.

Karlsruher SC - Hamburger SV   1:2 n.V. (0:0)

Aufstellung Hamburg: Adler - Diekmeier, Djourou, Rajkovic, Ostrzolek - Diaz, van der Vaart - Olic (77. Müller), Holtby (67. Stieber), Ilicevic (86. Cleber) - Olic

Tore: 1:0 Yabo (78.), 1:1 Diaz (90.), 1:2 Müller (115.)

Zuschauer: 27.986 (davon 4.000 HSVer)

NUR DER HSV

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