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Samstag, 18. April 2015

Nordderby #102

Am Sonntag steht die 102. Auflage des traditionsreichen Nordderbys zwischen Werder Bremen und unserem Hamburger Sport-Verein seit Gründung der Fußball-Bundesliga an. Natürlich schwebt der Gedanke mit, dass die morgige Begegnung aufgrund der dramatischen Lage bei den Rothosen die vorerst letzte Austragung des scheinbar ewigen Spieles sein könnte. Das Abstiegsgespenst mischt sich mittlerweile Woche für Woche unter die Fans aus dem Volkspark und das drohende Szenario rückt immer näher.

In der Tat: So unterschiedlich war die Ausgangslage für beide Teams vor einem Nordderby schon lange nicht mehr. Während der HSV weiterhin verzweifelt versucht, dem Gang in Richtung Zweite Liga zu entkommen, können die Mauermeister von der Weser nach einer bisher überzeugenden Rückrunde sogar noch den Anschluss an die europäischen Plätze herstellen. Beim trostlosen Gebolze im Hinspiel Ende November vergangenen Jahres, welches wir überraschenderweise mit 2:0 für uns entscheiden konnten, sahen beide Teams allerdings noch wie zwei sichere Absteiger aus. Das Werder unter ihrem neuen Coach Viktor Skripnik einen, für ihre Verhältnisse der letzten Jahre grandiosen,  Höhenflug erleben durfte und sich anschließend im ruhigen Fahrwasser solide durch das Mittelfeld der Tabelle bewegt, hätte man sich zu dem Zeitpunkt nicht träumen können. Das es in Hamburg allerdings so dermaßen den Bach runtergehen würde, auch nicht.

Was können wir also vom Aufeinandertreffen morgen im Weserstadion erwarten? Wie wird der neue Cheftrainer Bruno Labbadia seine Mannschaft auf die Partie einstellen, um den moralisch wichtigen Grundstein für die kommenden Abstiegsendspiele legen zu können? Dies alles sind Fragen, die man bei einem neuen Trainer vorab schlecht beantworten kann. Wenn Peter Knäbel morgen noch auf der Bank gesessen hätte, wäre das Spiel für mich im Vorfeld schon abgehakt gewesen. Ein scheinbar computergesteuerter, vorheriger Sportdirektor, der den taktischen und personellen Aufbau der Mannschaft exakt von seinem Vorgänger kopiert, kann einfach nichts verändern. Der überraschende Trainerwechsel unter der Woche war jedoch wie ein Segen, auch wenn dieser für den Verein vielleicht schon ein wenig Lächerlich daherkam. Doch irgendwie klemmt man sich jetzt an diesen letzten Hoffnungsschimmer Labbadia, welcher die Rentnertruppe seines neuen Vereins in der ersten Trainingseinheit vielleicht mal ordentlich ausgelacht und dann gefragt hat, ob das der volle Ernst der wie Halbgötter verehrten Fußballprofis sei. Schön wäre es.

Ich hoffe, Labbadia wird wissen, dass er grundlegende Änderungen vornehmen muss, vor allem, was das Spielsystem anbetrifft. Eine Mannschaft, die in 28 absolvierten Bundesligaspielen nur 16 Tore erzielt, kann in den alles entscheidenen sechs Endspielen nicht in genau der gleichen Formation auflaufen und das Elend von neu Beginnen lassen. Des weiteren muss vorher klar gesagt werden, dass ganz einfacher Fußball gespielt werden muss, vor allem in der Hintermannschaft. Wie sagt man so schön: "Wenn nichts anderes geht, raushauen!". Ansonsten passieren erneut dämliche Fehler, wie sie schon in Leverkusen und gegen Wolfsburg gnadenlos offengelegt wurden und das wollen wir alle nun wahrlich nicht.

Es gibt allerhand Gesichtspunkte, an denen der neue Trainer ansetzten sollte und die Liste wäre viel zu lang, um sie hier aufzuführen. Das wichtigste wird Morgen jedoch sein, stabil aufzutreten und nicht einer moralischen Beerdigung ausgeliefert zu sein. Ihr müsst ja nicht zaubern, aber Leidenschaft und Einsatz wird man schon erwarten dürfen.

NUR DER HSV

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