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Freitag, 13. März 2015

Zu Gast in Dietmar Hopp´s Wohnzimmer

Am Samstag gastiert unser HSV bei der TSG aus Hoffenheim, genauergesagt bei der TSG 18,99 € Hoppenheim, wie viele traditionsbewusste Fußballfans die Kraichgauer nennen. Was vielen wohl noch nicht aufgefallen sein sollte, ist die Tatsache, dass dieser umgedichtete Vereinsname seit einiger Zeit tatsächlich seine Richtigkeit hat, da der aktuelle Tabellensiebte nicht nur finanziell von Herrn Hopp abhängig, sondern seit Anfang Februar auch sein exklusiver Privatbesitz ist, denn die Mitglieder des eingetragenen Vereins haben dem Mäzen auf ihrer Generalversammlung das volle Stimmenrecht eingeräumt. Damit ist Hoffenheim das erste Bundesligamitglied, welches einer einzigen Person gehört und dadurch quasi der kleine Bruder von Manchester United.

Der Name TSG 18,99 € Hoppenheim hat also seine volle Berechtigung und das kleine Dörfchen Hoffenheim konnte tatsächlich den ersten Schritt Richtung Beerdigung der 50+1-Regel machen. Grund dafür ist die Sondereglung, die langjährigen Geldgebern die Erlaubnis gibt, nach einem zwanzigjährigen Engagement die volle Stimmenmehrheit einer Spielbetriebs-Aktiengesellschaft zu übernehmen, was bloß noch auf der Hauptversammlung des jeweiligen Vereins abgesegnet werden muss. Auf Deutsch heißt das nun, dass Dietmar Hopp offiziell das Sagen bei den Profis der ersten Mannschaft hat und die Vereins-, Transfer- und "Fanpolitik" der TSG nach seinen Vorstellungen umsetzten kann.
Es vermittelt irgendwie den Eindruck, als hätte ein Möchtegern-Nörgler seinen Willen bekommen und das restliche Umfeld in Form von normalen Vereinsmitgliedern zieht auch noch mit. Doch direkt darauf folgt dann schon der Spruch "Ach, dass ist ja Hoffenheim!". Genau das macht es dann aus, denn das ändern der Satzung nach Hopps vorlieben wird wohl im vollen Interesse des Vereins gewesen sein. Denn den Mitgliedern eines Fußballklubs, der es nur auf schnellen sportlichen und kommerziellen Erfolg abgesehen hat, wird es nicht die Bohne interessieren, ob der eingetragene Verein Mehrheitsgesellschafter in der Spielbetriebs-Aktiengesellschaft bleibt. Es geht vielmehr darum, denn barmherzigen Investor noch zufriedener zu stellen, um das maximalste an Geld herauszuholen. Dies tut der "Oligarch" jedoch nur, wenn er in ein "Sportprojekt" investiert, was ihm selbst gehört, denn er will die ganze Kohle natürlich nicht den Leuten allein überlassen, die ihn aufgrund einer Mehrheit von 51% noch feuern könnten.


http://www.spox.com/de/sport/fussball/bundesliga/1101/Bilder/dietmar-hopp-pic-514.jpg
Foto: sid
So weit, so schlecht. 1899 Hoffenheim ist hinter Bayer Leverkusen (Bayer AG) schon der zweite Bundesligaklub, bei dem ein Investor alle Entscheidungen treffen darf. Dies formulieren die Baden-Württemberger zwar nicht offiziell, da Hopp nicht der Eigentümer des gesamten Vereins ist, sondern "nur" zum Alleinherrscher der TSG Hoffenheim Fußball Spielbetriebs GmbH ernannt wurde. Für den Anfang ist das ja auch nicht schlecht - weitere Schritte zur endgültigen Macht folgen. Doch was können wir daraus lernen? Aus meiner Sicht ist die gesamte Kommerzialisierung des Fußballs und die darauf basierenden Satzungsänderungen, die es ja auch im Mai bei uns in Hamburg gegeben hat, schon viel zu weit über das Maß hinausgeschossen. Eigentlich dürfte es dann nicht mehr lange dauern, bis die ersten Schaichs in der Liga mitmischen und der FC Facebook Friedrichshafen und Twitter Itzehoe im katarischen Nationalstadion um die deutsche Meisterschaft spielen. So langsam aber sicher schafft sich unsere Fußball- und Vereinskultur ab und am Beispiel Hoffenheim sehen wir, dass die in der Bundesliga englische Verhältnisse geschaffen werden.

Es ist traurig, sagen zu müssen, dass die absolute Fremdsteuerung unserer Sportart dann überhaupt nicht mehr das ist, was wir wollen. Apropo Sport. Jetzt hat er uns wieder eingeholt, der Abstiegskampf! Ich würde mir an diesem Wochenende nichts sehnlicher Wünschen als einen dreckigen 0:1-Auswärtssieg in der traditionslosen Wirsol Rhein-Neckar Arena. Es wäre so wichtig, aber dennoch ist Vorsicht beim Träumen geboten, denn wir spielen Auswärts und da erwartet uns meistens eine kalte Dusche nach der nächsten. Aber vielleicht schafft es die Mannschaft tatsächlich mal, kein Gegentor auf fremden Platze zu bekommen - mit einem Heiko Westermann in der Innenverteidigung, der absolut auf seine Kritiker scheißt, haben wir ja gar nicht so schlechte Aussichten. Und wenn die Abstöße von Jaroslav Drobny ankommen und die Offensivreihen zumindest einmal so etwas wie Torgefahr präsentieren, steigen die Chancen auf einen Torerfolg von 0 auf 5%. Also auf, ihr Männer!

NUR DER HSV

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