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Sonntag, 8. März 2015

Tauben können schon wahnsinnig interessant sein!

Tja, auch wenn man bei einer Bundesligapartie seine Aufmerksamkeit nicht immer voll und ganz dem Spielverlauf widmet, kann man sich trotzdem einer erstklassigen Unterhaltung sicher sein. Auch am diesem 24. Spieltag beobachtete so mancher Leidensgenosse im Volkspark lieber die Tauben, die regelmäßig auf dem Spielfeld zur Landung ansetzten, denn fußballerisch wurde gestern nun wirklich nicht viel geboten. Während Borussia Dortmund verzweifelt versuchte, gegen das Hamburger Abwehrbollwerk anzulaufen, viel dem HSV auf dem Weg nach Vorne herzlich wenig ein. Nach erschreckend schwachem Fußball wunderte sich niemand über das 0:0.

Foto: Matthias Scharf
Ein ordentlicher Achtungserfolg, na gut, dass kann man festhalten. Aber mehr war es dann auch nicht. Also ich habe keine Ahnung wie ihr die Sache seht, doch ich bin nicht begeistert von den Lobhymnen, mit denen die Rothosen nach dem torlosen Unentschieden gegen den BVB von der Presse überschüttet werden. Mal wieder wird ein Gefühl von Selbstzufriedenheit vermittelt, obwohl sich nach dem Spiel niemand total über den einen Punkt, der laut Mopo "wichtig zum Überleben" ist, freuen konnte. Denn jedem, der sich diesen Kick angetan hat, wird aufgefallen sein, wie schwer sich der HSV mit einem konzentrierten Spielaufbau in der gegnerischen Hälfte tut und wie selten unsere Mannschaft tatsächlich zu einem gefährlichen Torabschluss kommt. Oft wurden Stieber, Gouaida und und Startelf-Rückkehrer Olic alleine gelassen und waren so schlicht und einfach nicht in der Lage, die Angriffe gegen einen Neven Subotic oder Mats Hummels vernünftig zu Ende zu bringen. Dann ist es kein Wunder, dass außer dem Schuss von Gouaida, den Weidenfeller mit etwas Mühe parieren konnte, nicht viel mehr kam, denn ansonsten wurde den Hanseaten auf hohem Niveau demonstriert, dass ein fast dramatisches Offensivproblem gibt, da mit zu wenig Tempo aber mit zu viel Hektik gespielt wurde.

Man wollte sich lieber auf eine gut organisierte Defensivleistung konzentrieren, was gegen die wiedererstarkten Dortmunder ja auch richtig und wichtig war. Den größten Anteil daran hatte zweifellos Heiko Westermann, der malochte wie kein anderer und seinen Kritikern heute gezeigt hat, wie Abstiegskampf funktioniert. Der Presse musste er dies natürlich nochmal persönlich erklären:
"Die Idioten, die meinen, den Fußball erfunden zu haben, können mich mal am Arsch lecken". (Heiko Westermann nach dem Spiel)
Ziemlich interessantes Statement, aber hoffentlich bestätigt er seine Leistung nächste Woche beim Auswärtsspiel in Sinsheim, sonst könnte dieses Interview noch weitreichende Folgen für ihn haben.  Auch die übrigen Verteidiger Diekmeier, Cleber und der für Djourou eingewechselte Marcos machten einen souveränen Eindruck, sodass auch die wenigen Dortmunder Chancen bis zur Pause geklärt werden konnten. Klasse Leistung unserer Viererkette! Das Defensivspiel des HSV sah wirklich gut aus und die Abwehr ist in dieser Verfassung auf jeden Fall Bundesligatauglich. Ich kann mir die bittere 0:8-Pleite in München daher immer noch nicht erklären. Aber egal. Wer bis dahin jedoch noch gar nicht bei seinem Comeback überzeugen konnte, war Valon Behrami. Zwar gewann auch er viele Zweikämpfe, aber normalerweise hätte Schiedsrichter Gagelmann ihm nach einem Schlag ins Gesicht von Mhkitaryan ganz klar die Rote Karte sehen müssen, nach einiger Zeit bekam er wegen eines anderen Fouls dann zumindest Gelb, was auch der Grund seiner späteren Auswechslung war. Außerdem sollte er die Rolle des Ballverteilers im zentralen Mittelfeld übernehmen, was ihm allerdings nicht wirklich gelang, denn die Konter kamen Reihenweise ins Stocken.

Die Zuschauer wurden wie bereits erwähnt ausbaufähig Unterhalten, dies wird wohl die Erklärung dafür sein, dass einige Blöcke der Westtribüne zu Beginn des zweiten Durchgangs noch total leer waren, was von den Stehrängen mit einem hämischen "Aufessen" kommentiert wurde. Ansonsten setzte sich der gewohnte Rhytmus fort: Der HSV versuchte es zwar, präsentierte sich jedoch nicht einfallsreich, bei den Gästen aus Westfalen kamen Reus, Gündogan oder Kevin Kampl zumindest mal zum Torabschluss. Hamburg konnte nach ewig langem Kampf in der 64. Minute nochmal einen Freistoß rausholen, der starke Schuss von Zoltan Stieber stellte aber auch die einzige wirkliche Gefahr für das Dortmunder Tor dar. Aber wie will man das große Problem der Harmlosigkeit vor dem gegnerischen Tor in den Griff bekommen? Ich denke jedenfalls nicht das es im letzten Drittel dieser Saison einen enormen Leistungsschub in der Offensive unseres Sportvereins geben wird. Und warum kann ein Rafael van der Vaart, wenn dieser eine Viertelstunde vor Schluss eingewechselt wird, nicht nochmal für etwas Aufwind sorgen? Doch er wird mit seinen Gedanken bestimmt schon bei Kansas City sein.

Irgendwann wurde das Gebolze dann abgepfiffen. Von beiden Fanlagern gab es aufmunternden Aplaus und überhaupt tat der taktikorientierte Fußball der Stimmung im Volksparkstadion keinen Abbruch, was natürlich nicht zuletzt an den zahlreich mitgereisten Gästefans lag, die eine beeindruckende Auswärtspräsenz demonstrierten. Aber auch aus der Nordkurve wurde insbesondere in der zweiten Halbzeit ordentlich supportet, von einem Stimmungsproblem wie es in Hannover vorhanden ist, kann man trotz Boykott der CFHH nicht sprechen. Nächste Woche beim Spiel gegen die TSG 18,99 € Hoppenheim sollte es für den Hamburger Anhang kein Problem sein, lautstärkemäßig das Zepter zu übernehmen. Sportlich gesehen gibt es da jedoch eine Hürde: Der HSV muss Auswärts antreten. In letzter Zeit sind unsere Jungs auf gegnerischem Platze immer etwas mutlos aufgetreten, ich hoffe mal, die Mannschaft traut sich am nächsten Samstag mehr zu und versucht zumindest, dass überwältigende Offensivproblem (16 Tore in 24 Spielen) zu lösen.

Hamburger SV - Borussia Dortmund   0:0

Aufstellung Hamburg: Drobny - Diekmeier, Djourou (18. Marcos), Cleber Reis, Westermann - Jiracek, Behrami (60. Kacar) - Müller, Stieber, Gouaida - Olic

Tore: wären auch nach einer Verlängerung nicht gefallen

Zuschauer: 57.000 (grandiose Kulisse im Abstiegskampf)

NUR DER HSV

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