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Samstag, 14. März 2015

Pech oder Dusseligkeit?

Wollen wir nicht lange um den heißen Brei herumreden: Der HSV kassiert eine unnötige 0:3 Niederlage in Sinsheim, schwächt sich selbst durch eine Rote Karte und auch mit Ivo Ilicevic in der Startformation kommt einfach keine Torgefahr zu Stande. Durch diese Schlagwörter kann man diesen biederen Auftritt der Rothosen gegen Hoffenheim auf den Punkt bringen sie spiegeln den typischen Verlauf etlicher Auswärtsspiele in der bisherigen Saison wieder. Wir verpassen die nächste Gelegenheit für einen Satz nach Vorne und müssen uns weiterhin tief im Sumpf des Abstiegskampfes vergnügen.

Foto: hsv.de
Schade, Schade und nochmal Schade. Ich dachte eigentlich, dass mich die Mannschaft heute mal überraschen würde und nach dem ordentlichen 0:0 gegen Borussia Dortmund einen unverhofften, meinetwegen auch unverdienten Auswärtssieg im fernen Baden-Württemberg landen - Hauptsache man nimmt etwas zählbares mit. Aber weit gefehlt! Wie oben bereits angedeutet konnte Jaroslav Drobny einen beschissenen Abwehrfehler nur durch ein notgedrungenes Foul wieder ausbügeln, musste dies teuer mit einer Roten Karte bezahlen und leitete dadurch das plötzliche Comeback des Rene Adler ein - ja, es gibt ihn noch. Dieser durfte sich zur Begrüßung dann direkt einen Elfmeter um die Ohren Hauen lassen und konnte am Ende auch nichts gegen die deutliche Niederlage machen, die sich schon jetzt andeutete. Das typische Hamburger Pech oder die typische Dusseligkeit, wenn man denn so will, hat sich erneut und auf fast schon bemitleidenswerte Weise eingeschlichen und niemand wollte es so richtig wahr haben.

Immerhin schaffte es der HSV sich zu stabilisieren und den 0:1-Rückstand über eine lange Zeitspanne zu halten, die Offensivbemühungen hingegen wirkten hilflos. Für neutrale Beobachter wird es ein unterhaltsamer Mix aus einem Ivica Olic, der das Spiel ohne Ball in Perfektion präsentierte, einem Zoltan Stieber, der als einzigster versuchte, Tempo hinein zu bringen und einem Valon Behrami, der nie wirklich abspielen wollte, gewesen sein. Höchstens der Kopfball von Cleber Mitte des zweiten Durchgangs ließ die 3000 mitgereisten Hamburger nochmal für einen kurzen Moment hoffen, doch viel mehr war tatsächlich nicht drin. Zinnbauers Umstellung im Mittelfeld hatte sich also ebenfalls nicht ausgezahlt, Ivo Ilicevic war mindestens genau so harmlos wie Nicolai Müller in den spielen zuvor.
Als die Rothosen in den letzten zehn Minuten die defensive Grundordnung, die sowieso schon etwas durcheinander gebracht worden war, komplett aufs Spiel setzten wollten und mit Lewis Holtby (!) ein weiterer offensiver Mann gebracht worden war, zerfiel das Gebilde endgültig. Beim zweiten Gegentreffer pennt Dennis Diekmeier komplett und bietet Eugen Polanski genügend Platz an, den HSV hier und heute ohne Weiteres zu begraben. Nun waren die minimalen Aussichten auf einen Punktgewinn futsch und auf ein Gegentor mehr oder weniger kam es dann sowieso nicht mehr an - dachte sich wohl auch die Innenverteidigung und patzte beim 0:3 nochmal wie aus dem Lehrbuch, um Rene Adler seinen ersten Bundesligaeinsatz nach langer Verletzungspause zu versüßen.

Foto: hsv.de
Ich frage mich nach so einer Niederlage, warum die Jungs immer die ganz große Fußballbühne und einen hochklassigen Gegner brauchen, um am Ende ein torloses Unentschieden überschwinglich zu feiern? Warum ist diese Mannschaft nicht in der Lage, auch mal irgendwo am Arsch der Welt bei schlechtem Wetter und schlechten Bedingungen zu punkten und warum tut sich der HSV Auswärts so schwer? Zwei hart erkämpfte Remis gegen Gladbach und Dortmund vor eigenem Publikum sind zwar schön und gut, doch gerade in solchen Spielen wie heute gegen Hoffenheim holt man die Punkte, die am Ende sehr wichtig werden können und Goldwert sind. Einstellung und Kampf passten zwar auch in dieser Partie wieder, doch erneut konnte man die spielerischen Schwächen in der Offensive nicht durch diese Tugenden kompensieren und das körperlich robuste Spiel führt in letzter Zeit häufiger zu einer Roten Karte, wie das bereits in Frankfurt der Fall war. Dies sind alles Dinge, über die sich Zinnbauer Gedanken machen sollte.
Das alles überwiegende Problem ist jedoch nach wie vor die Offensive. Ivica Olic hat nach seinem Winter-Transfer an die Elbe noch gar nicht getroffen, unsere Mittelfeldspieler sind im Allgemeinen zu ungefährlich und der umstrittene Artjoms Rudnevs schießt vielleicht alle paar Monate mal ein Tor. Das ist für eine Bundesligamannschaft einfach dramatisch wenig und auch in den Standartsituationen kommt es fast nie zu gefährlichen Torannäherungen. Bleibt also nur die Hoffnung, dass der ständig verletzte Pierre-Michel Lasogga für die letzten und überaus wichtigen HSV-Auftritte dieser Saison nochmal zurückkehrt, ansonsten hätten wir keine sinnvollen Alternativen mehr.

Am nächsten Freitag kommt Hertha BSC zu Besuch in die Hansestadt und dann geht es mal wieder um alles. Es muss natürlich weitergemacht werden doch unser Team sollte sich wirklich etwas ernsthaftes einfallen lassen, vor allem muss man mit mehr Zug zum Tor spielen und zum Abschluss kommen. Ich hoffe jedenfalls, dass das Volksparkstadion trotz der Niederlage gegen Hoffenheim wieder gut Besucht sein wird, doch ich denke, da kann man sich auf die leidgeprüften HSV Fans verlassen.

TSG 1899 Hoffenheim - Hamburger SV  3:0

Aufstellung Hamburg: Drobny - Diekmeier, Cleber, Westermann (69. Kacar), Ostrzolek (80. Holtby) - Behrami, Jiracek - Ilicevic, Stieber, Gouaida (22. Adler) - Olic

Tore: 1:0 Polanski (22., Foulelfemter), 2:0 Polanski (81.), 3:0 Rudy (88.)

Zuschauer: 30.000 (davon etwa 3.000 Hamburger)

NUR DER HSV

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