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Samstag, 21. März 2015

Ein ganzes Stadion im Schockzustand

Zweckoptimismus war wohl doch die falsche Alternative. Schlussendlich ist nämlich alles eingetroffen, was die Rothosen im Abstiegsendspiel gegen Hertha BSC stets vermeiden wollten: Erst wurden die einigen wenigen Torchancen versemmelt, dann folgte wie gewohnt eine Rote Karte und zur Krönung des Tages setzte es natürlich auch noch ein Gegentor. Und das alles in einer Partie, in der weder Not noch Elend die bessere Mannschaft war.

Foto: Matthias Scharf
Der gewohnte Spielverlauf war angesichts der schlechten Leistung nicht erstaunlich, die Reaktion der Fans nach dem Apfiff hingegen schon:  Das erwartete Pfeifkonzert viel überraschend klein aus und auch das obligatorische "Wir ham die Schnauze voll!" waren kaum wahrnehmbar. Langsam aber sicher verwandeln sich Wut und Verzweiflung in eine tiefe Müdigkeit, denn schon zu oft hat die Mannschaft mal wieder alle enttäuscht und nur noch wenige Gemüter hatten nach dem Schlusspfiff Lust verspürt, sich wirklich aufzuregen. Der Rest inklusive unserer Gladiatoren unten auf dem Rasen wollten den Volkspark nach diesem Schlag ins Gesicht schnellstmöglichst verlassen.
Doch wie soll es bitteschön weitergehen, wenn der HSV auch gegen einen direkten Konkurrenten nicht in der Lage ist, einfach mal ein Tor zu erzielen? Und warum wird nach etwa zwanzig Minuten der Offensivbetrieb eingestellt und die Entstehung eines typischen Abstiegsgegurkes einfach so hingenommen? Dies sind Fragen, welche unsere Akteure und Verantwortlichen zum X-ten Male in dieser Saison nach dem Spiel beantworten sollten, doch wenn man sich selber nicht an die Wahrheit traut, hilft nur ein ordentlicher Griff in die Phrasenkiste:
"Es ist nicht so, dass man sagen kann, Berlin hätte verdient gewonnen, aber ihnen reichte wenig Aufwand, um zu punkten. Während wir enorm viel Aufwand betrieben, aber keine Punkte haben." (Peter Knäbel´s Kommentar nach dem Spiel)
Tja, fragt sich eben nur, wo wir enorm viel Aufwand betrieben haben. Einige Spieler offenbar beim Friseur. Aber ansonsten ist das wesentliche wieder einmal auf der Strecke geblieben, im Spiel nach vorne haben ich keine einzige gute Kombination gesehen und auch Torchancen waren nach etwa 15 Minuten Mangelware. Außerdem kann man eigentlich auch sagen, dass Berlin verdient gewonnen hat, denn sie haben hinten sicher gestanden, vorne gelegentlich ihre Nadelstiche gesetzt und wurden durch Sebastian Langenkamp´s Treffer zum 0:1 in der Schlussphase belohnt. Das reicht in Hamburg leider schon - so kann man sich auch einen Sieg verdienen. Die Taktik von Parl Dardei ist voll aufgegangen. Am Ende war all denen die Verzweiflung ins Gesicht geschrieben, die sich die armseligen Angriffsbemühungen eines Nicolai Müller, Zoltan Stieber oder Ivica Olic mit ansehen mussten. Ich verstehe immer noch nicht warum diese Spieler, die als Hoffnungsträger in die Hansestadt gekommen sind, einen solchen Leistungsfall haben.

Foto: Matthias Scharf
Aber egal. Meckern hilft nichts, die Mannschaft hat das Toreschießen einfach verlernt. Die Geschichte des Spiels ist schnell erzählt und wir wollen uns jetzt dem positiven Geschehen des Abends widmen. Zum Integrations-Spieltag der Bundesliga, der an diesem Wochenende stattfindet, durften am gestrigen Abend 22 Flüchtlingskinder mit den "Profis" beider Mannschaften einlaufen, zudem setzten Zuschauer, Spieler und Schiedsrichter vor dem Spiel ein klares Zeichen gegen Diskriminierung, die in unserer Gesellschaft ja leider immer noch vorhanden ist. Lotto King Karl äußerte sich per Stadionlautsprecher im Namen des gesamten Hamburger Sport-Vereins klar gegen Rassismus und Ausländerfeindlichkeit. Er machte klipp und klar deutlich, dass beim Fußball jeder dazugehört und das wir ein weltoffener Verein sind. Kein Bier den Rassisten!
Des weiteren wurden auf der Nordtribüne die möglichen Änderungen der Anstoßzeiten offen von den Ultras kritisiert. Anhand von Spruchbändern machten sie stellvertretend deutlich, dass niemand von uns allen am Samstagmittag um 12 Uhr ins Stadion gehen möchte, nur damit die DFL noch mehr Geld aus der TV-Vermarktung quetschen kann. Fußballzeit ist eben Samstags um 15.30 Uhr und das wird sich hoffentlich auch nicht ändern. Vergesst England, denn die Premier League schwimmt im Geld, doch in Deutschland gibt es noch eine intakte Fan- und Fußallkultur und die gibt es zu bewahren. Ich denke, wir werden auch in anderen Stadien der Bundesliga ähnliche Aktionen sehen, was die DFL vielleicht zu einem Umdenken bewegen wird.

Tja, was soll man sagen? Um die Partie herum gab es tolle Aktionen, die sehr wichtig sind, das sportliche jedoch war aus Hamburger Sicht, symptomatisch, bieder und zweitligatauglich. Die Torflaute wird langsam dramatisch und es ist nie wirklich Tempo im eigenen Aufbauspiel, kurz gefasst sind die Leistungen einfach zu schlecht. Das stellt alle auf eine harte Belastungsprobe, dennoch wäre es ein Lüge, wenn ich behaupten würde, dass ich mich nicht auf das nächste Auswärtsspiel in Leverkusen freue. 

Hamburger SV - Hertha BSC Berlin   0:1 (0:0)

Aufstellung Hamburg: Adler - Diekmeier (87. Beister), Djourou, Cleber, Westermann - Behrami, van der Vaart (75. Holtby) - Ilicevic (63. Lasogga), Müller, Stieber - Olic

Tore: 0:1 Langenkamp (84.)

Zuschauer: 53.640

NUR DER HSV

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