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Mittwoch, 17. Dezember 2014

Zurück auf dem Boden der Tatsachen

Die Heimserie ist gerissen. Nach drei mal drei Punkten in der Heimat musste wir uns dem VfB Stuttgart geschlagen geben, obwohl das gar nicht nötig gewesen wäre. Der "hilflose" HSV konnte gegen gut organisierte Stuttgarter, die in der zweiten Halbzeit auch noch in Unterzahl spielen mussten nichts zu Stande kriegen. Somit stehen die Hanseaten am Samstag auf Schalke mächtig unter Druck, doch dort kann man die Punkte auf keinen Fall einplanen.

Eigentlich sollte die Partie gegen die Schwaben das endgültige Sprungbrett zum Anschluss an das Mittelfeld der Tabelle sein. Alle tippten entweder auf einen knappen oder deutlichen Sieg für die Hanseaten, obwohl der HSV im bisherigen Saisonverlauf alles andere als eine Offensivmaschine ist. Gegen den VfB sollte der Knoten Platzen und man wollte zu Hause nach einen Punktgewinn in Freiburg seine Hausaufgaben machen. So lautete der Plan. Joe Zinnbauer sprach von einem klaren drei Punkte Spiel, indem der HSV in keinster Phase in wirkliche Gefahr kommen sollte. Und an der Einstellung der Spieler hatte vor dem Spiel keiner der Fans Zweifel, denn in den letzten Wochen passte im mentalen Bereich alles.

Somit dachte ich eigentlich, die Mannschaft würde mit einem gesunden Selbstvertrauen in die Partie gehen und von Anfang an voll Konzentriert sein, so wie gegen Werder, Leverkusen oder Mainz. Dort konnte man zwar auch viele spielerische Defiziete aufweisen, doch man hat diese Fehler durch eine leidenschaftliche kämpferische Teamleistung wieder kompensiert.

Doch sie wirkten unsicher, so ab der zehnten Minute. Der ansatzweise verheißungsvolle Start war verpufft, die Chancen von Lasogga und Rudnevs wurden von Ulreich entschärft. Was dann am deutlichsten Auffiel, waren die Ballverluste, aus denen meiner Meinung die gesamte Unsicherheit resultiert. Mehrmals mussten die Rothosen plötzlich Kontern hinterher laufen, obwohl sie zuvor selbst im Spielaufbau waren. Und mehrmals kommt Stuttgarts Martin Harnik (ein Hamburger Jung) vor Drobny´s Tor zum Abschluss, allerdings konnte er die Chancen nicht Effektiv nutzen - seine größte Möglichkeit ergab sich in der 36. Minute, in der Holtby so gerade noch auf der Linie klären konnte. Hätte der HSV gestern gegen eine Spitzenmannschaft der Bundesliga gespielt, hätte eine solche die Räume und Freiheiten, die unsere Mannschaft gestern anbot, längst ganz anders genutzt.
Hamburger SV - VfB Stuttgart 0:1
Foto: Getty Images
Doch das, was sich lange andeutete, traf dann gerechterweise noch vor der Pause ein. In der 42. Minute geht der VfB Stuttgart durch ein Tor von Klein völlig verdient in Führung - das Tor hatte seinen Ursprung mal wieder in einem Ballverlust im Mittelfeld, der von den Gästen in einen Konter umgemünzt wurde. Es folgte eine Reihe von erbärmlichen Fehlern, denn die schlecht Sortierte Hamburger Hintermannschaft rief offenbar nach dem Gegentor. Verdiente Pfiffe zur Halbzeit - der Plan von VfB Coach Huub Stevens ist zumindest für den ersten Durchgang voll aufgegangen.

Was der HSV dann aber nach dem Pausentee zeigte, frustrierte mich noch mehr. Anscheinend hatte die Halbzeitansprache von Zinnbauer an diesem Dienstagabend keine nachhaltige Wirkung, sodass sich die Mannschaft über weite Strecken relativ planlos präsentierte. Die einzigste ernstzunehmende Torchance auf Hamburger Seiten ereignete sich nach einem Platzverweis für Stuttgarts Niedermeier - Rafael van der Vaart semmelte das Leder jedoch an die Latte. Doch auch gegen zehn Stuttgarter konnte der HSV nichts ausrichten. Ständig versprang der Ball und man hatte so gut wie gar keine Ideen. Spieler wie Lewis Holtby oder Nicolai Müller, die eigentlich für Tempo und Überraschungsmomente bekannt sind, versteckten sich lieber im Mittelfeld. Artjoms Rudnevs kann man absolut keinen Vorwurf machen, da er einfach keine Bälle bekam. Zu oft wurden Fehlpässe gespielt und der HSV kam im Mittelfeld nicht weiter. Und auch die rettende Einzelaktion blieb aus, denn niemand wollte ansatzweise Verantwortung übernehmen oder hatte eine kreative Idee. Der HSV spielte das Ding wie ein Absteiger zu Ende, während das Stuttgarter Bollwerk gehalten hat und der Auswärtssieg erreicht wurde.

Ich denke, die Mannschaft hat sich nach dem 2:1 gegen Mainz und dem 0:0 in Freiburg wieder etwas zurückgelehnt und gedacht, gegen Stuttgart nachzulegen, sei nicht schwer. Die Zufriedenheit war wieder einmal zu groß, sodass die kleine Konstanz der vergangenen Wochen nicht halten konnte. Es war irgendwie eine Mischung aus Unsicherheit und Selbstzufriedenheit, die einen erneuten Punktgewinn an diesem Dienstagabend ausschlossen. Der HSV hat wieder einmal aus alten Fehlern nicht gelernt und auch der Gegner wurde diesmal nicht so ernst genommen, wie in den letzten Spielen. So ist zumindest mein Eindruck. Als Fan bleibt dir nun nur die undankbare Aufgabe, nach Gelsenkirchen zu fahren und die Mannschaft bestmöglich zu Unterstützen.

Hamburger SV - VfB Stuttgart   0:1 (0:1)

Aufstellung Hamburg: Drobny - Diekmeier, Djourou, Cleber Reis (83. Stieber), Marcos -  Müller, Behrami (71. Arslan), van der Vaart, Holtby - Lasogga (45. Gouaida), Rudnevs

Tore: 0:1 Klein (42.)

Zuschauer: 48.223

NUR DER HSV


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