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Donnerstag, 7. August 2014

Wie weit ist die Mannschaft?

Noch gut eineinhalb Wochen bis zum ersten Pflichtspiel des HSV in Cottbus. Zeit, um einmal zu schauen, wo die Mannschaft überhaupt steht und was in der kommenden Saison möglich ist. Für mich ist klar, dass an der Elbe wieder ein anderer Wind weht, denn ich glaube kein HSV Fan möchte das, was in der letzten Saison passiert ist, noch mal erleben. Und ich glaube, auch die Mannschaft wird sich steigern und viele positiv Überraschen.

Deutschland war mitten im WM Trubel, als Mirko Slomka und seine Mannschaft den Grundstein für die Mission Wiedergutmachung legen wollten. Zwei Tage nach dem Phänomenalen Auftaktsieg der Deutschen Mannschaft ging es also los - Trainingsauftakt. Es soll ein neuer HSV werden, eine Mannschaft mit Identität, eine, mit der man sich identifizieren kann.
Letztendlich standen dann aber doch fast exakt dieselben auf dem Trainingsplatz wie beim Relegations Rückspiel in Fürth und auf dem Transfermarkt kann sich der HSV natürlich auch nicht als Supermacht bezeichnen - lediglich Zoltan Stieber wurde vor beginn der Saisonvorbereitung Verpflichtet. Außerdem bahnte sich schon lange an, dass Hakan Calhanoglu den Klub verlassen wird, was dann auch so gekommen ist. Für 14 Millionen Euro ging der Deutsch Türke nach Leverkusen. Derweil beschäftigte die Medien der Poker zum Lasogga, den Hertha war nicht bereit, ihre Leihe an den HSV Sang und Klanglos gehen lassen. Täglich gab es neue Gerüchte um die Ablösesumme, die zum Schluss 8,5 Millionen Euro betrug - der HSV zahlte, man hatte ja noch die Erträge aus dem Calhanoglu verkauf. Der Kader wurde noch durch weitere Spieler aus unteren Ligen ergänzt, der wohl wichtigste Transfer der Sommerpause war dann aber doch wohl ein ganz anderer - die Verpflichtung von Dietmar Beiersdorfer - ehemaliger Spieler und Manager des HSV. Er soll den Hochverschuldeten Verein wieder in ganz andere Bahnen lenken, aber nicht mit Überheblichkeit und blindem Getue, sondern mit Ruhe - und das liegt ihm.
In der aktuellen Ausgabe des Fußballmagazins 11 Freunde habe im gelesen, dass ihm bei internationalen Klubs wie zum Beispiel Zenit St Petersburg vorgeworfen wurde, dass er nicht aggressiv genug sei. Seine Ruhe brachte die Verantwortlichen des Vereines so aus der Ruhe, dass sie ihn schließlich entlassen mussten. In Hamburg denkt man immer noch an die Jahre zurück, als Dietmar Beiersdorfer zusammen mit Bernd Hoffmann in Vorstand agierte. Denn die beiden schafften es, dem HSV finanziell und sportlich eine gute Struktur zu geben und so spielte der HSV in der Bundesliga oft mit um die Europapokal Plätze und wurde Dauergast im UEFA Cup (heute Europa League). Eines Tages gingen die beiden jedoch, denn zuletzt lief es nicht mehr.
Bei seiner Rückkehr nach Hamburg wird Beiersdorfer trotzdem wie ein Messias gefeiert. Er hält eine ruhige, aber Energievolle Arbeit - er hat erkannt worum es geht. Einige Tage nach seines Arbeitsbeginns entlässt er Manager Oliver Kreuzer und verpflichtet im Gegenzug Bernhard Peters für den Posten "Direktor Sport". Der Ex Hoffenheimer hat bereits bei 1899 ein stabiles Jugendsystem aufgebaut, warum also nicht auch beim HSV.
Foto: WITTERS

Dennoch bleibt vielen zunächst die Mannschaft die größte Sorge. "Wir haben keine großartigen Finanziellen mittel, was ist, wenn wir den Kader nicht hinreichend verbessern können", sagten viele HSVer. Doch es gibt Hoffnung. Schon seit langem wird spekuliert, dass sich HSV Investor Klaus Michael Kühne einschalten will, und dazu kam es auch. Die Finanzspritze, die er dem HSV verpassen wollte, stockte er von acht Millionen auf 25 Millionen Euro auf. Gelder um zum Beispiel Neuzugang Nicolai Müller vom FSV Mainz 05 (Ablöse: 4,5 Mio.) zu bezahlen. Der schnelle, wendige und angriffsfreudige Mittelfeldspieler wird dem HSV eine echte Unterstützung bieten, so glaube ich jedenfalls. Und bei diesem einen weiteren Neuzugang blieb es nicht. Schon am Wochenende zuvor konnte Beiersdorfer Valon Behrami vom SSC Neapel verpflichten, ebenfalls ein Mittelfeldmann. Und zum Einstand im HSV Trikot traf er am Montag im Testspiel gegen Akhisar. Alles kleine Faktoren, die zu großen Selbstvertrauen führen können. Können. Sie müssen nicht. Niemand weiß genau, auf welchem Level sich das Team aktuell befindet. Es sind zwar schon viele Verbesserungsansätze zu erkennen, doch der Schuss kann natürlich auch wieder nach hinten losgehen. Es gibt noch genug Baustellen in der Abwehr, dort ist besonders Heiko Westermann der Verlierer der Vorbereitung, anscheinend hat er Slomka nicht überzeugt.
Im Zuge dessen darf sich Gojko Kacar, der eigentlich als längst abgeschrieben galt, neue Hoffnungen machen. Angeblich passt er perfekt in Slomkas Wunschelf - als Innenverteidiger. Der Kroate wollte den Verein eigentlich schon letztes Jahr verlassen, doch der Trainer hält scheinbar viel von ihm, denn schon 2012 wollte Slomka Kacar nach Hannover holen. Im Sturm dürfte sich ein Konkurrenzkampf zwischen Pierre Michel Lasogga und Artjoms Rudnevs entwickeln. Auch Rudnevs ist froh, wieder in Hamburg zu sein, und ich denke, er wird durch gute Trainingsleistungen auch zu Einsätzen kommen. Ob sich Jacques Zoua nach seiner schwachen Debütsaison in Hamburg im Sturm Hoffnung machen darf, halte ich dafür weniger realistisch, doch auch er kann sich überwinden und seine Leistungen steigern - wir warten ab. Im Mittelfeld ist mit Hakan Calhanoglu ein wichtiger Spieler gegangen, doch alternativen bleiben. Ivo Ilicevic konnte zuletzt seine Formkurve wieder hoch bekommen und auch die Leistungen von Rafael van der Vaart steigern sich wieder - unter der Woche entschuldigte er sich noch für seine schlechte Saison 2013/14. In Slomkas Wunschelf wird er wahrscheinlich gesetzt sein.
Nicolai Müller könnte ebenfalls einen Stammplatz erhalten, vermutlich im rechten Mittelfeld, denn er ist wahnsinnig schnell - gut für die Konterstärke. Eine alternative wäre Kerem Demirbay, der letztes Jahr von Dortmund II geholt wurde aber in der ersten Mannschaft noch nicht in Erscheinung trat. Nun hat er sich reingekämpft und will unbedingt zu Bundesligaeinsätzen kommen - in der bisherigen Saisonvorbereitung erzielte er zehn Tore. Im defensiven Mittelfeld dürfte vermutlich Valon Behrami gesetzt sein und neben ihm Milan Badelj auflaufen, doch auf dieser Position würde gerne auch der Schussstarke Tolgay Arslan spielen, der unglaublich hart an sich Arbeitet. Es wird auf vielen Positionen einen dauerhaften Konkurrenzkampf geben, doch Slomka erfreut das, denn somit wird die Leistungsdichte im Training immer hochgehalten.

Das Auftaktprogramm der Rothosen hört sich leichter an als es ist. Zunächst gilt es am Pokalmontag in Cottbus, die erste Hauptrunde zu überstehen, denn man will ja nicht sofort mit einem negativen Ergebnis starten - außerdem ist der Pokal auch ein wichtiger Wettbewerb.
Zum ersten Ligaspiel geht es dann nach Köln - eine schwierige Aufgabe, denn der FC wird zur Bundesligarückkehr hochmotiviert sein und es den Hamburgern schwer machen. Das zweite Spiel ist dann ein Heimspiel gegen den SC Paderborn, ebenfalls ein Aufsteiger. Hier sollten möglichst drei Punkte her, absoluter Pflichtsieg. Am dritten Spieltag geht es nach Hannover, eine Mannschaft, die überhaupt noch nicht einzuschätzen ist. Und dann, dann kommen die Bayern nach Hamburg, doch daran denken wir jetzt noch nicht, denn die ersten Spiele müssen erst einmal gemeistert werden.

Zum Schluss möchte ich an dieser Stelle noch auf eine tolle Aktion aufmerksam machen. Der HSV Fan Volker Keidel aus München hat sich dazu entschlossen, die rund 800 Kilometer von München nach Hamburg zu laufen  - er will passend zum ersten Heimspiel gegen Paderborn in Hamburg sein. Mit der Wanderung will er symbolisch den Erfolg aus der "Fußballhauptstadt" München zurück nach Hamburg bringen. Er läuft jeden Tag um die 30 Kilometer und befindet sich aktuell noch in Bayern - eine Woche ist er schon unterwegs. Respekt, Volker!

NUR DER HSV

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